Beneath the Ivy
Wohlfühl-Fantasy für Hexenfans
Marissas Zuhause, Silvercrest Manor, ist ein gemütliches Landhaus mit schiefen Böden und einem Garten voller Kräuter und Heilpflanzen. Es gehört der Hexenfamilie Winslow, seit Ururgroßmutter Florence vor 150 Jahren auf die Insel kam. Wie es in den Familienbesitz gelangte, ist ein ungelöstes Rätsel. Manche behaupten, Florence habe mit blutroten Rubinen oder ihrer Unschuld bezahlt. Andere erzählen, der Verkäufer McSweeney habe einen Fluch von ihr verlangt.
Doch die Winslows sind zwar Hexen, aber weder reich noch verfluchen sie Leute. Gefangen in einer Zeitschleife, geht Marissa nicht nur diesem Mysterium auf den Grund.
Nominiert für den SERAPH 2026 in der Kategorie "Bestes Jugenbuch"
Das sagen meine Leser*innen zu meinem Hexen-Buch:
“Die spannende Hexenfantasy habe ich mitten in der Woche angefangen, was ein Fehler war, weil ich es nicht mehr weglegen konnte und mich die Geschichte so sehr eingesaugt hat, dass die Nächte kurz wurden!” (Andrea)
“Eine cozy schöne Hexengeschichte, die einfach zauberhaft magisch ist und trotzdem total spannend, durch die ganzen Familiengeheimnisse und Mythen, die es zu entlarven gilt.” (Jenny Liermann)
“Ihr liebt Hexengeschichten und ihre Magie? Superspannende und geheimnisvolle Settings? Starke Charaktere, die euch von der ersten Seite an komplett abholen und mit in die Geschichte ziehen? Die so gut erzählt wird, dass ihr alles um euch herum vergesst? Dann ist diese genau das richtige für euch!” (Nordseekrabbe2502)
Hier kommt eine Sneak Peak aus meinem Urban Fantasy Roman
Silvercrest Manor gehört den Winslows, seit meine Urahnin Florence vor hundertfünfzig Jahren auf die Insel kam. Sie erwarb es von einem New Yorker Großindustriellen namens Percival McSweeney, der es in den 1860er Jahren erbauen ließ, als Carters Island noch kaum besiedelt war. Unseres Wissens nach floss in seinen Adern keine Unze Magie. Warum er es nicht behalten wollte und weshalb er es ausgerechnet meiner Urahnin verkauft hat, darüber erzählt man sich hier unterschiedliche Geschichten.
Es wird behauptet, Florence habe mit blutroten Rubinen dafür bezahlt. Oder mit ihrer Unschuld, wie man das damals wohl nannte. Andere erzählen, McSweeney habe einen Fluch von ihr verlangt.
Ehrlich gesagt glaube ich, dass keine dieser Geschichten stimmt. Ja, wir Winslows sind Hexen, aber weder sind wir reich, noch verfluchen wir Leute.
Und was die Jungfräulichkeit von Ururururgroßmutter Florence betrifft: Da die Einträge in der Familienchronik beweisen, dass sie bereits eine Tochter hatte, als sie auf die Insel kam, halte ich auch dieses Gerücht für haltlos. Seltsam ist es allerdings schon, dass in der Chronik nirgends vermerkt wurde, wie genau sie Silvercrest Manor von Mr. McSweeney erworben hat. Und dass dieser kurz nach der Übereignung spurlos verschwand, gießt seit über einem Jahrhundert ordentlich Öl ins Feuer derjenigen, die unsere Familie brennen sehen wollen. Die McSweeneys geben uns jedenfalls die Schuld am Verschwinden ihres Patriarchen – und deshalb gibt es bereits seit hundertfünfzig Jahren böses Blut zwischen uns – eine Art Blutfehde, die sich mittlerweile zu einem kalten Krieg entwickelt hat.
Zurück zu Silvercrest Manor: Als gesichert erscheint mir, dass das Haus erst durch den Einzug der Familie seinen, nun, nennen wir es „Charakter“ entwickelt hat. Auf dem uralten Foto vom Grundstück, das in Ebenholz gerahmt im Flur hängt, besitzt Silvercrest Manor deutlich weniger Giebel und Schornsteine und sieht auch allgemein etwas gewöhnlicher aus.
Das ist allerdings nicht das einzig Exzentrische an unserem Anwesen, und ich spreche nicht von den Launen des Hauses. Wir Winslows lieben es farbenfroh, ja mitunter sogar schreiend bunt. Von außen ist Silvercrest Manor ein dreistöckiges Haus mit zahlreichen Giebeln, schrägen Dächern und zu vielen Schornsteinen. Die Fensterrahmen und Türen sind weiß gestrichen und über die Fassaden klettern üppiger Efeu und ein Blauregen, der dank Tante Minnie mehr als doppelt so lange blüht sonst.
So weit, so idyllisch.
Sobald man jedoch ins Innere tritt, drängt sich einem das Gefühl auf, einer von Tante Minnies vielgerühmten Obstkörben sei explodiert und die Früchte hätten ihre Farben an die Wände abgegeben. Das fängt bereits im Flur an: Die Innenseite der Haustür ist violett lackiert, die Treppe in die oberen Stockwerke indigofarben und die Flurwände erstrahlen seit letztem März in einem warmen Olivgrün, was sich eigentlich mit Tante Minnies unzähligen Zimmerpflanzen beißen sollte, es aber seltsamerweise nicht tut.
In Grandmas Schlafzimmer herrscht sonnengelb vor, im unteren Badezimmer blassrosa und weiß. Und das ist nur das Erdgeschoss.
Tante Minni sagt, in den späten Sechzigern habe Silvercrest Manor eine Weile grellgelbe Schindeln getragen und einen avocadogrünen Anstrich gehabt, und sie sei sehr froh, dass es jetzt wieder auf weiß setzte, weil sich das besser mit dem Blauregen und dem Efeu vertrage. Auch die restlichen Zimmer haben sich im Laufe der Jahre verändert, ganz den Bedürfnissen seiner Bewohner entsprechend. Das Haus sorgt für uns. Aktuell jedenfalls scheint es sich um Norah zu sorgen, denn als wir zu Schule aufbrechen wollen, verschließt es erneut alle Türen.
„Sowas aber auch“, brummt Grandma. „Vielleicht solltest du doch zu Hause bleiben. Rissa, siehst du was?“
Ich horche in mich hinein, aber abgesehen davon, dass Norahs Verfassung und das Verhalten des Hauses ein mulmiges Gefühl in mir auslösen, spüre ich nichts.
Als ich den Kopf schüttle, wirft Norah den anderen einen vielsagenden Blick zu. „Na, seht ihr? Alles gut. Kann ich nicht einfach mal einen Tag schlechte Laune haben? Und Silvercrest Manor genauso.“
Grandma wirkt nicht überzeugt, aber nach einem kurzen Zögern lässt sie uns gehen. Nachdem ich die Haustür freundlich bitte, lässt sie sich auch tatsächlich öffnen.
„Geht es dir wirklich gut?“, frage ich Norah, als wir das Gartentor hinter uns geschlossen haben und die Strawberry Lane hinuntergehen. „Oder willst du nur nicht die Strandparty verpassen?“ Die ist für den Abend geplant und Norah redet seit einer Woche von nichts anderem. Dafür lässt sie sogar ihre Liebesromane im Schrank.
Doch sie zuckt nur mit den Schultern. „Geht schon.“
Ich hebe eine Augenbraue. „Es ist Nicholas, oder? Was hat der Arsch jetzt schon wieder gemacht? Ich schwöre dir, wenn er heute auch nur ein Wort …“
„Lass gut sein.“ Sie stöhnt und kneift die Augen zu. Mit Daumen und Zeigefinger massiert sie sich die Nasenwurzel.
„Norah“, dränge ich sie.
„Marissa“, antwortet sie im gleichen Tonfall und ich weiß, dass ich das Thema fallen lassen muss. Wenn sie so drauf ist, brauche ich nicht mit ihr zu diskutieren.
Schweigend gehen wir die Straße hinunter. Mr. Beaty sitzt auf der Bank in seinem Vorgarten und putzt wieder einmal seine Angeln – seine Lieblingsbeschäftigung. Im Gegensatz zu den meisten Inselbewohnern hat er keine Angst, in der Nähe „der Hexen“ zu leben. Bevor er in den Ruhestand gegangen ist, war er Fischer, und als wir noch klein waren, hat er uns öfter mit hinaus aufs Meer genommen. Jetzt verbringt er die meiste Zeit mit seinem Cocker Spaniel im Garten. Chocolate bellt uns freudig zu, weicht aber nicht von der Seite seines Herrchens.
„Beeilt euch besser“, ruft er uns zu. „Sonst verpasst ihr noch den Bus.“
Und tatsächlich, da taucht er auch schon am Fuß des Hügels auf.
„Mist“, entfährt es mir. Ich war doch so früh dran heute, wie kann es da bitte sein, dass wir uns schon wieder verspätet haben? Ich ruckle meinen Rucksack zurecht und nehme die Beine in die Hand. „Los“, rufe ich Norah über die Schulter zu.
Sie flucht, beginnt aber zu rennen.
Schon nach wenigen Schritten merke ich, dass wir es nicht schaffen werden. Der Bus blinkt bereits und fährt an. Ich überlege nur einen Augenblick, dann strecke ich die linke Hand aus und knüpfe einen Zauber. Die Ampel springt auf Rot und der Bus legt eine scharfe Bremsung hin.
Hekate! Das Blut schießt mir ins Gesicht, als ich sehe, dass er nur einen Fußbreit vor der Kreuzung zum Halten kommt.
„Das war knapp“, keucht Norah.
Die Tür öffnet sich und der Fahrer wirft uns einen misstrauischen Blick zu. Er ahnt vermutlich, dass eine von uns für die Ampel verantwortlich ist, aber Hekate sei Dank fragt er nicht nach. „Rein mit euch“, brummt er nur und Norah und ich verziehen uns auf zwei freie Plätze in der vorletzten Reihe.
Mit einem Taschentuch wische ich mir den Schweiß von der Stirn, Norah greift nach ihrer Wasserflasche und der Bus setzt sich ruckelnd in Bewegung. Als wir in die Lavendar Road einbiegen, fällt mein Blick auf das verlassene Grundstück mit dem verwilderten Garten, das früher Mrs. Throndsen gehört hat. Dort haben wir oft als Kinder gespielt, bis unsere Eltern es verboten haben. Das Haus ist schon lange unbewohnt und gilt als einsturzgefährdet. Ich liebe den Anblick der schlanken Birken, die sich hinter dem Eisenzaun aufreihen wie Soldaten. Sie sind uralt und ihre Stämme sind fast vollständig von Efeu umschlungen. Sie …
Ich erstarre.
Zwischen den grünen Blättern bewegt sich etwas. Nein, nicht etwas: jemand! Ich sehe eine dunkle Gestalt, kaum mehr als ein Schemen, und auf einmal wird mir eiskalt, weil ich mir sicher bin, dass, wer auch immer dort steht, mich direkt anstarrt.